Expertenstatement von Prof. Dr. med. Stephan Martin

Prof. Dr. Stephan Martin, Vorsitzender der Stiftung MLD
Prof. Dr. Stephan Martin, Vorsitzender der Stiftung MLD

Kuratoriums-Vorsitzender der Stiftung "Motivation zur Lebensstil-Änderung - Chance bei Diabetes" in der DDS und Leitender Oberarzt der Deutschen Diabetes-Klinik am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) in Düsseldorf
 
"Mit mehr Eigeninitiative in ein gesundes Leben mit Diabetes"
 
Diabetes Typ 2 wird heute auch als Wohlstandssyndrom oder Lifestyle-Erkrankung bezeichnet. Das hängt damit zusammen, dass die chronische Stoffwechselstörung häufig eine Folge von Übergewicht ist. Lebensgewohnheiten wie falsche Ernährung und mangelnde Bewegung spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung des Diabetes Typ 2 – und bei der Behandlung. Genau hier setzt die Stiftung "Motivation zur Lebensstil-Änderung – Chance bei Diabetes" an. Sie möchte Ärzte und auch die Patienten selbst dafür sensibilisieren, wie wichtig es ist, die Patienten konsequent in die Therapie einzubinden. Sind Menschen mit Diabetes bereit, ihre Lebensgewohnheiten zu überdenken und gezielt zu verändern, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sie ihren Diabetes ohne Medikamente in den Griff bekommen.
 
Die Ergebnisse der ROSSO-Studie haben den Anstoß gegeben, die neue "EigenInitiative" der Stiftung zu starten. Die Studie hat gezeigt: Eigenverantwortung hilft Menschen mit Diabetes Typ 2, länger und gesünder zu leben. Wer seine Blutzuckerwerte regelmäßig kontrolliert, trägt dazu bei, Folgeerkrankungen zu vermeiden. Das sollen in Zukunft noch viel mehr Betroffene verstehen und in die Praxis umsetzen lernen. Die "EigenInitiative. Mehr Eigenverantwortung für ein gesundes Leben mit Diabetes" unterstützt Patienten konkret dabei, einen aktiven Part in der Diabetestherapie zu übernehmen. Dazu gehören drei Faktoren: Ernährung, Bewegung und die Blutzucker-Selbstkontrolle.
 
Die Bedeutung von Ernährung und Bewegung wird in den strukturierten Schulungen, auf die jeder Mensch mit Diabetes ein Recht hat, ausführlich beleuchtet. Doch Wissen allein führt leider nur bei einem kleinen Teil der Patienten auch zu einer Veränderung des Verhaltens. Die Blutzucker-Selbstkontrolle ist eine Hilfe, um die Zusammenhänge zwischen Blutzuckerwerten und Verhalten besser zu verstehen. Eine üppige Mahlzeit, ein Glas Bier oder aber ein ausgedehnter Spaziergang – wer die Auswirkungen dieser "Mess-Ereignisse" auf den Blutzuckerspiegel mit Hilfe der Blutzucker-Selbstkontrolle nachvollzieht, bekommt die Konsequenzen des eigenen Handelns unmittelbar vor Augen geführt. Der Patient entwickelt ein Gefühl dafür, was in seinem Körper passiert und lernt, wie sich bestimmte Verhaltensweisen auf den Blutzuckerwert auswirken.
 
Bisher gibt es insbesondere für Menschen mit Diabetes Typ 2 ohne Insulintherapie keine Handlungsanweisungen, wann und wie oft sie ihren Blutzucker messen sollen. Das Messen des Blutzuckers ist zwar technisch gesehen mit den modernen Geräten kein Problem, doch es ist wichtig, bestimmte Abstände zum Essen einzuhalten.